„Mallorquinische Rache“ von Lilly Alonso

Mord im Sóller-Express

Eingerahmt vom smaragdgrünen Meer und majestätischen Bergen liegt die idyllische Kleinstadt Sóller. Hier fährt seit Jahrzehnten der Orangen-Express durch Gebirgstunnel, Viadukte und duftende Olivenhaine. Als ausgerechnet in diesem Zug ein Mann ermordet wird, ist ganz Mallorca in Aufruhr. Lluc Casasnovas übernimmt den Fall – allerdings nur widerwillig, denn er steht kurz vor der Rente und hatte sich ein ruhiges Ende seiner Karriere erhofft. Doch die Ermittlungen erweisen sich als ausgesprochen knifflig: Obwohl der Mord am helllichten Tag und im vollbesetzten Waggon geschah, will niemand etwas gesehen haben. Als auch noch die Liebe seines Lebens mit dem Fall zu tun zu haben scheint, wird es für den Sargento ernst.

Der erste Fall für Lluc Casasnovas

Herausgegeben vom Heyne Verlag im April 2022 

Lilly Alonso
Lilly Alonso

REZENSIONEN

Mit dem Rezept hatte schon Karl May Erfolg: man wähle ein interessantes Ambiente, reichere es mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit an und siedle eine spannungsgeladene Handlung darin an! Genauso ist Lilly Alonso in ihrem Krimi „Mallorquinische Rache“ zu Werke gegangen. Zwei signifikante Unterschiede heben sie aber vom Vielschreiber May ab: zum ersten kennt sie den Schauplatz ihres Romans aus eigener Anschauung, sie lebt seit über 15 Jahren auf Mallorca. (Karl May hat sich das Wissen um den Orient und den Wilden Westen in Reisebüchern, zum Teil aus der Gefängnisbibliothek - er saß wegen Diebstahls und Hochstapelei mehrere Jahre ein - nur angelesen.) Diese 15 Jahre hat sie genutzt, um Land und Leute messerscharf zu beobachten, hat praktisch ein buntes Kaleidoskop buchstäblich „er-lebt“ und lässt es, in einer metaphernreichen Sprache, in ihr Buch einfließen. Und damit bin ich beim zweiten Unterschied, der sie über den sächsischen Kolportage-Autor erhebt, die wortgewandte, geschliffene Sprache. Krimis dieser Art sollte man nicht „verschlingen“, so groß die Versuchung auch ist, denn der durchgehend gehaltene Spannungsbogen verführt natürlich zu einem gewissen Drive beim Lesen. Man sollte dieser Versuchung widerstehen und das Buch genießen, ab und zu innehalten und es sich auf den sprachlich-kulinarischen Polstern bequem machen, die die Autorin dem Leser ausbreitet. Getreu der Empfehlung Hans Mosers für den Umgang mit einem guten Wein („Den Wein muss man beißen.“) Es sind vor allem die überaus originellen Bilder und Vergleiche, die dem Leser auf jeder Seite ins Auge springen. Viele haben lokalen Bezug, und allesamt sind sie nicht aus einem Metaphernlexikon abgekupfert, dessen sich das Heer anonymer Schreiberlinge, die sich beispielsweise hinter Massenprodukten wie den Jerry Cotton - Groschenkrimis verbergen, bedient. Sie entspringen vielmehr der fast grenzenlosen (sprachlichen) Fantasie Alonsos, machen das Lesen zum Genuss par excellence und lassen auch das Herz eines Germanisten höher schlagen. Kostprobe: „Enrique Mayol, der Täter - die Wörter hallten in Llucs Ohren wider: schräg und dissonant wie eine atonale Sequenz von Schönberg“; oder: „Ein ungenießbarer Cocktail verschiedener Gefühle m die nicht zusammenpassten, stieg in ihm auf, als müsste er aufstoßen. Zu der bittersüßen, nach frisch gepressten Orangen schmeckenden Trauer fügte sich mehr als nur ein Schuss Tabasco der Wut.“ Sprachliche Ingredienzen wie diese, zusammen mit der geschickten Kapitelaufteilung machen das Buch zu einem literarischen Krimi, den man in einem Atemzug mit Donna Leon oder Leon de Winter nennen kann. Mit Lilly Alonso hat Mallorca eine Autorin von Format.

Nach den ersten Seiten fühlte ich mich bereits wie ein Sahara-Staubkorn, das aus weit entfernter Großstadt von einem Elefantenrüssel angesaugt wird und sich deshalb nicht mehr in der Wüste halten kann: Direkt gefangen in brillanten Wortspielen, unglaublich gutem Witz, sich paarend mit ständig steigender Spannung! Eine tagelange Lesereise ist ausgeschlossen. Ich musste es am Stück durchgelesen. Sargento Lluc Casanovas ist ein faszinierender Charakter, der mit zunehmendem Verlauf vielfältige Züge offenbart, die einige Überraschungen zulassen. Jeder Protagonist gewährt Seeleneinblicke, die sich fesselnd und bedrückend zugleich gestalten. Die Verknüpfungen einzelner sind im Verlauf so geschickt geschrieben, dass sie erst am Ende ein Gesamtbild ergeben, wodurch sich immer wieder neue Fährten vermuten lassen. Ein unglaublich spannender Krimi, der zeitgleich Lachmuskeln reizt.

Alexandra

INHALT

An der nördlichen Küste Mallorcas, am Fuße des Tramuntana-Gebirges und umgeben vom glitzernden Mittelmeer, liegt die kleine Ortschaft Sóller. Manche sagen, es sei der schönste Ort der ganzen Insel – auf jeden Fall aber der friedlichste. Bis eines Tages eine Leiche im Sóller-Express aufgefunden wird. Sargento Lluc Casanovas, steht vor einem Rätsel: Der Tote, Ramón Cabot, ist ein bekannter Bürger der Stadt, er wurde mitten am Tag im vollen Zug erstochen, und doch will niemand etwas gesehen haben. Wie ist das nur möglich?

Je länger Sargento Casanovas ermittelt, desto komplizierter wird der Fall. Wurde Cabot von einem Kontrahenten ermordet, mit dem er kurz vor seinem Tod gestritten hat? Was verbirgt die mysteriöse Deutsche, die Cabot zu verfolgen schien? Ist der attraktiven Reporterin Lucía zu trauen? Und was hat der beste Freund von Lluc Casanovas mit dem Toten zu tun?

Schritt für Schritt entwirrt Lluc die Fäden – und wünscht sich dabei sehnlichst in die kurz bevorstehende Frühpension. Denn seine ausnehmend engagierte Nachfolgerin Fina, die vor lauter Eifer seine Ermittlungen behindert, macht die Sache nicht gerade leichter. Zwischen verschrobenen Kleinstadtbewohnern, alten Familienfehden und mallorquinischen Traditionen ahnt Lluc bald, dass er es dieses Mal mit dem verzwicktesten Fall seiner Karriere zu tun hat …

 

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